Unsere Geschichte

Auf den nächsten Seiten stellen wir Ihnen in kurzer Zusammenfassung die über einhundertjährige Geschichte des DRK-Ortsvereins Remagen e.V. vor.

Über 100 Jahre Menschlichkeit – Über 100 Jahre Rotes Kreuz in Remagen

Eine Zeitreise durch die Geschichte der weltgrößten Hilfsorganisation und der Geschichte des DRK-Ortsereins Remagen e.V.

Im Jahr 2005 feierte das Deutsche Rote Kreuz (DRK), Ortsverein Remagene.V., seinen 100. Geburtstag. Die folgenden Seiten sollen Ihnen die letzten 100 Jahre unserer Arbeit und unserer Geschichte ein wenig näher bringen.

Die Schlacht von Solferino forderte insgesamt über 80.000 Opfer. Organisierte Hilfe kannte man zu der Zeit noch nicht. (Foto: DRK-Archiv, Berlin)

Man kann das Rote Kreuz, seine Philosophie, Aufgaben und Strukturen nur verstehen, wenn man die Wurzeln, die Idee und Geschichte seiner Gründung kennt. Dazu müssen wir zurück gehen zum 24. Juni 1859, der Schlacht von Solferino: Europa war zu der Zeit in viele Kleinstaaten aufgeteilt. Überall gab es Bestrebungen zur Bildung von Nationalstaaten, so auch in Italien. Sardinien versuchte mit der Hilfe Frankreichs die Lombardei von Österreich zu befreien. In Solferino, nahe Castiglione in der Lombardei, trafen die verbündete französisch-sardinische Armee unter Napoleon III. und die österreichische Armee unter Kaiser Franz-Josef überraschend aufeinander und es kam zu einer erbitterten Schlacht. Bilanz des fünfzehnstündigen Gefechts: Ein Sieg Napoleons und über 40.000 Tote und Verwundete. Weitere 40.000 an Fieber erkrankte und gestorbene Soldaten kamen hinzu.
Die Schlacht von Solferino gilt als die größte und erbittertste Schlacht, die die Welt bis dahin gesehen hatte.

Aufgrund von Problemen mit der Kolonialbehörde – Paris schickte notwendige Konzessionen zum Betrieb einer Mühlengesellschaft nicht – reiste der Schweizer Geschäftsmann und Gründer der Mühlengesellschaft, Henry Dunant, nach Italien, um persönlich bei dem französischen Kaiser Napoleon III. (1808-1873) vorzusprechen.

Darstellung Henry Dunants in jungen Jahren. (Foto: DRK-Archiv, Berlin)

Dunant wurde am Tag nach der Schlacht von Solferino in Castiglione Zeuge der unzureichenden Versorgung von Tausenden von Verletzten. Medizinische Hilfe, wie wir sie heute kennen, gab es damals nicht. Soldaten waren da um zu kämpfen, und wer verwundet wurde, musste selber sehen, wie er zurecht kam. Tausende von toten und verwundeten Soldaten wurden auf dem Schlachtfeld zurück gelassen. Die schmerzerfüllten Schreie hallten über das Land. Die sich zurück ziehenden Truppen ignorierten dies. Es kam sogar noch schlimmer: Mit ihren Kanonen- und Waffenwagen überfuhren die Truppen das Schlachtfeld, ohne Rücksicht auf die am Boden liegenden Soldaten zu nehmen.

Uneigennützige Hilfe

Dunant’s Buch „Eine Erinnerung an Solferino“
(Foto: DRK-Archiv, Berlin)

Henry Dunant entschloss sich spontan, den Verwundeten auf beiden Seiten zu helfen. Diese Hilfe gestaltete sich allerdings nicht sehr einfach. Wie sollte er allein dieser Masse von Verletzten helfen können? Er eilte nach Castiglione und warb dort um weitere Hilfskräfte. Einige Frauen konnte Dunant von seinen guten Absichten überzeugen. Kaum auf dem Schlachtfeld angekommen, tat sich das nächste Problem auf: Die ihm zur Seite stehenden Frauen wollten nur den Verwundeten der französischen Truppen helfen, aber nicht den Österreichischen. Dunant redete auf die Frauen ein und bat sie, auch dem Feind zu helfen. Er selbst ging mit gutem Beispiel voran, was die Frauen dazu bewegte, nach einiger Zeit dieses auch zu tun.

Bei der Versorgung der Verwundeten mangelte es an allem: Die Zahl der Hilfskräfte war zu gering, Verbandmaterial und ausgebildetes Pflegepersonal gab es viel zu wenig. Dunant selbst veranlasste die Beschaffung von Verbandmaterial, welches er von seinem eigenen Geld bezahlte. Auch einige ausgebildete Pflegekräfte schlossen sich nach und nach ihm und seiner Hilfskräfte an, um das Leiden der Soldaten zu lindern.

Noch lange beschäftigten ihn diese in Solferino gewonnenen Eindrücke. Der damals 31-jährige Henry Dunant verarbeitete das erlebte in einem Buch. Im Jahr 1862 erschien es unter dem Titel „Eine Erinnerung an Solferino“. Auf den letzten Seiten forderte er: „Gibt es während der Zeit der Ruhe und des Friedens kein Mittel, um Hilfsorganisationen zu gründen, deren Ziel es sein müsste, die Verwundeten in Kriegszeiten durch begeisterte, aufopfernde Freiwillige, die für ein solches Werk besonders geeignet sind, pflegen zu lassen? […..] Für eine Aufgabe solcher Art kann man keine Lohnarbeiter brauchen. In der Tat werden bezahlte Wärter (damalige Bez. für Krankenpfleger) mit der Zeit roh, andere lassen sich durch den Ekel abschrecken und werden träge infolge Ermüdung. Ferner ist es nötig, dass die Hilfe sofort einsetzt, denn was heute den Verwundeten noch zu retten vermag, kann dies vielleicht morgen nicht mehr. Dadurch, dass kostbare Zeit verloren geht, tritt Wundbrand ein, der den Tod herbeiführt. So braucht man also freiwillige Wärter und Wärterinnen, die im voraus ausgebildet, geschickt mit ihrer Aufgabe vertraut sind, die außerdem von den Armeeführern anerkannt und daher in jeder Weise unterstützt werden.“

Das „Komitee der Fünf“ aus dem sich später das
„Internationale Komitee vom Roten Kreuz“ gründete.
(Foto: DRK-Archiv, Berlin)“

Dunants Buch, in dem er die Schlacht von Solferino offen und schonungslos darstellte, sorgte in ganz Europa für Aufsehen. Seine darin formulierten Forderungen fanden bei Staatsoberhäuptern und Armeeführungen hohe Anerkennung. Die Genfer gemeinnützige Gesellschaft gründete 1863 das sogenannte „Komitee der Fünf“. Diesem Komitee gehörten neben Dunant als Sekretär vier weitere, hoch angesehene Persönlichkeiten an. Dieses Fünfer Komitee lud noch im selben Jahr alle führenden europäischen Persönlichkeiten zu einer internationalen Konferenz ein. Diese Konferenz beschloss im wesentlichen die Gründung von nationalen Ausschüssen, die freiwillige Helfer ausbilden und im Falle eines Krieges einsetzen sollen. Das internationale Erkennungszeichen sollte eine weiße Armbinde mit einem roten Kreuz sein, die umgekehrten Farben der Schweizer Flagge zu Ehren Henry Dunants. Weiter wünschte diese Konferenz von den Regierenden die Unterstützung der Ausschüsse und den Schutz der Verwundeten, der freiwilligen Helfer sowie der Sanitätseinrichtungen und des Sanitätspersonals der Streitkräfte. Die Annahme dieser Beschlüsse durch die Unterzeichnung des Dokuments gilt heute als Gründungsakt des Roten Kreuzes.

Im Jahre 1863, kurz nach der ersten internationalen Konferenz, wurden in vielen europäischen Staaten Hilfsgesellschaften gegründet, die das Zeichen des Roten Kreuzes trugen. In Deutschland wurde als erste Hilfsgesellschaft der „Württembergische Sanitätsverein von 1863“ gegründet. Viele weitere Organisationen wurden gegründet, die sich dem Gedankengut der internationalen Genfer Konferenz verpflichtet fühlten: Im Krieg unterschiedslos, egal ob Freund oder Feind, Hilfe zu leisten!

Im Jahr 1864 lud die Schweiz zu einer diplomatischen Konferenz ein. Es waren 26 Delegierte aus 15 europäischen Staaten und den Vereinigten Staaten von Amerika vertreten. Diese Konferenz beschloss die „Konvention zur Verbesserung des Loses der verwundeten Soldaten der Armeen im Felde“ (= 1. Genfer Abkommen). Dieses Abkommen beinhaltet im wesentlichen die unterschiedslose Hilfe für verwundete oder erkrankte Soldaten sowie die Neutralität und den Schutz der Sanitätseinrichtungen und des Sanitätspersonals. Schutzzeichen ist das Rote Kreuz auf weißem Grund. Dieses Abkommen wurde von den Unterzeichnerstaaten ratifiziert und hat noch bis heute Gültigkeit.

Der erste Einsatz einer Rotkreuzarmbinde

Bild vom Schlachtfeld des deutsch-dänischen Krieges 1864.
Hier wurde erstmals eine Rotkreuzarmbinde zum Schutz von
Hilfskräften eingesetzt. (Foto: DRK-Archiv, Berlin)

Ebenso bedeutend in der Rotkreuzgeschichte ist der erste Einsatz einer Rotkreuzarmbinde, die während des deutsch-dänischen Krieges im Jahr 1864 auf deutschem Boden in Schleswig-Holstein eingesetzt wurde. Zwei Delegierte aus dem in Genf 1863 gegründeten „Internationalen Komitee vom Roten Kreuz“ trugen eine weiße Armbinde mit einem roten Kreuz als sie Opfern des Deutsch-Dänischen Kriegs halfen. Die beiden Delegierten wurden zwecks Neutralität an beide Seiten der Front gesandt, einer zu den Deutschen und einer zu den Dänen.

Später berichtete einer der Delegierten, dass das Tragen der Armbinde nicht ganz ungefährlich war, „da das rothe Kreuz nicht genügend hervortrat, um von der weißen Binde (dem allgemeinen Zeichen der Alliierten) unterschieden zu werden“. Er berichtete aber auch, dass das Zeichen ihm so manche Tür öffnete: „Als ich ihm [dem preußischen Kommandanten] meinen Auftrag nennen wollte, unterbrach er mich sogleich. ‚Das Zeichen, das Sie tragen, ist eine ausreichende Empfehlung, wir wissen, was es bedeutet. Sie sind hier für das öffentliche Wohl, hier haben Sie einen Requisitionsschein, wählen Sie im Wagenpark, was Ihnen zusagt.“

Die Delegierten organisierten nicht nur Hilfe für verwundete Soldaten. Sie besuchten auch Gefangene auf beiden Seiten, und begleiteten denRücktransport eines verunglückten dänischen Offiziers. Besuche bei Kriegsgefangenen gehörten damals zu den Kernaufgaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Kriegszeiten.

Die deutschen Vereine vom Roten Kreuz schickten Decken, Medikamente und Verbands-material in das Kriegsgebiet. Darüber hinaus sammelten sie Geld, das für die Anschaffung weiterer Hilfslieferungen verwendet wurde. Einige Vereine sandten auch Delegierte in das Kampfgebiet, die feststellen sollten, was vor Ort benötigt wurde.
Die Armbinde, die von einem der Delegierten getragen wurde, ist im Rotkreuzmuseum in Genf aufbewahrt.

Bild der zweiten internationalen Konferenz 1869 in Berlin.
(Foto: DRK-Archiv, Berlin)

Die erste Rotkreuzorganisation in Remagen

Auszug aus der Stammrolle
der „Freiwilligen Sanitäts-Kolonne
vom Roten Kreuz in Remagen
vom Jahr 1910“.
Nach der Gründung des
Vaterländischen Männervereins im
Jahre 1905 erwähnt
dieses Dokument erstmalig das
Rote Kreuz in Remagen.
Der „Vaterländische Männerverein“
war der Vorläufer der „
Freiwilligen Sanitäts-Kolonne
vom Roten Kreuz.
(Foto: DRK-Remagen)

Am 15. September 1905 wurde in der Römerstadt von 19 Remagener Männern der Vorläufer des heutigen DRK-Ortsvereins ins Leben gerufen: Der „Vaterländische Männerverein“. Dieses Datum findet in zahlreichen Rotkreuzinternen Schriftstücken Erwähnung. Ebenso ist der DRK-Ortsverein Remagen im Besitz der „Stammrolle der freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz zu Remagen“, welche ab dem Jahr 1910 geführt wurde. In den Akten der damaligen Stadt-Bürgermeisterei von Remagen, die im Koblenzer Landeshauptarchiv lagern, sind in den entsprechenden Ordnern, betreffend den Vereinsgründungen in Remagen, keine eindeutigen Eintragungen auszumachen. Akten aus den Jahren 1914 bis 1916 über die „Mitglieder im Zweigverein des Roten Kreuzes in der Stadt- und Landgemeinde Remagen“ erwähnen ebenfalls eine Rotkreuzorganisation in Remagen. Hier sind Mitgliederbeitragslisten archiviert sowie entsprechende Anweisungen des Landrates an den Bürgermeister von Remagen, „dem Zweigverein des Roten Kreuzes“ entsprechende finanzielle Mittel für die Rotkreuzarbeit in Anbetracht des Krieges zur Verfügung zu stellen.

Erster Friedensnobelpreisträger der Welt

Darstellung Dunants kurz vor seinem Tod 1910.
(Foto: DRK-Archiv, Berlin)

Im Jahr 1901 erhält der Gründer des Roten Kreuzes, Henry Dunant, den ersten Friedensnobelpreis. 1910 stirbt Henry Dunant völlig verarmt im schweizerischen Heiden.

Im Jahr 1921 wurde in Deutschland durch den Zusammenschluss von Sanitäts- und Frauenvereinen offiziell das Deutsche Rote Kreuz gegründet. Von diesem Zusammenschluss waren auch die Helfer in Remagen betroffen. Fortan durften sie die Bezeichnung „Deutsches Rotes Kreuz“ führen.

Aber auch international entwickelte sich die Rotkreuzgesellschaft weiter: Immer mehr Staaten unterzeichneten das erste Genfer Abkommen von 1864 und machten es in ihrem Land zu geltendem Recht. 1875 hatte sich das im ersten Teil beschriebene „Genfer Komitee der Fünf“ offiziell in das „Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)“ umbenannt. Entsprechend dem Vorbild der ersten internationalen Konferenz von 1863 wurden, und werden auch heute noch, weitere Konferenzen abgehalten. So wurde nach diversen Seeschlachten um 1900 das „Zweite Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten, Kranken und Schiffbrüchigen der Streitkräfte zur See“ verabschiedet. Nach dem ersten Weltkrieg kam das „Dritte Genfer Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen“ und nach dem zweiten Weltkrieg das „Vierte Genfer Abkommen zum Schutze von Zivilpersonen in Kriegszeiten“ hinzu. Weiteres wichtiges Ergebnis einer dieser internationalen Konferenzen ist die Aufnahme des „Roten Halbmondes“ als Schutzzeichen. Dieses Schutzzeichen wurde von moslemischen Staaten gefordert, da sie in dem gleichschenkligen Kreuz ein christliches Symbol sahen.

Am 23. Dezember 1937 wurde das „DRK-Gesetz“ erlassen. Das DRK verlor dadurch alle Wohlfahrtseinrichtungen und das Jugendrotkreuz. Das Rote Kreuz wurde nach dem „Führerprinzip“ strikt hierarchisch neu gegliedert. Am 24. Dezember 1937 wurde eine neue

Die freiwillige Sanitätskolonne
des Roten Kreuzes in Remagen im Jahr 1936.
(Foto: DRK-Remagen)

DRK-Satzung erlassen. Im zweiten Weltkrieg setzte das DRK ca. 800 000 Ärzte, Krankenschwestern, Helferinnen und Helfer ein, davon 85% Frauen in der Verwundetenhilfe, der sozialen Betreuung der Truppen und Gefangenen sowie der Hilfeleistung für die kriegsgeschädigte Zivilbevölkerung. Am 19. September 1945 erfolgte die Auflösung des DRK in der Sowjetzone. Nur einen Tag später wurde das DRK auch in den westlichen Besatzungszonen aufgelöst. Am 4. Februar 1950 wurde das Deutsche Rote Kreuz in der Bundesrepublik auf dem Rittersturz in Koblenz neu gegründet. Das Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes bekam seinen Sitz in Bonn. Am 23. Oktober 1952 wurde das Deutschen Roten Kreuz in der DDR mit Sitz in Dresden gegründet.

Neugründung nach dem zweiten Weltkrieg

Die Neugründung in Remagen nach dem zweiten Weltkrieg

Die Mitglieder des DRK-Ortsvereins Remagen
im Jahr 1952, ein Jahr nach der offiziellen
Gründungsversammlung nach dem
zweiten Weltkrieg mit dem damaligen
Bereitschaftsarzt Dr. Florian Malatek (vordere Reihe 2. V.l.).
(Foto: DRK-Remagen)

In Remagen schlossen sich im Jahr 1945 beherzte Frauen und Männer zur „Hilfsgesellschaft der Wohlfahrtspflege“ zusammen. Aus dieser Gesellschaft entwickelte sich zwei Jahre später der heutige DRK-Ortsverein Remagen. Schriftlich fixiert worden ist die Gründung jedoch erst etwa ein Jahr nach der Gründung des neuen DRK-Bundesverbandes. Am 25. Januar 1951 wurde die offizielle Gründungsversammlung im Remagener Pfarrheim abgehalten. Die älteste Satzung des Ortsvereins, die als Kopie vorliegt, ist auf den 26. März 1952 datiert und wurde von 17 Mitgliedern unterschrieben.

Der Vorstand des jungen Vereines bestand damals aus acht Mitgliedern: Johann Clemens (Vorsitzender), Dr. Jumpertz und Dr. Florian Malatek (Bereitschaftsärzte), Georg Ruhmann (Schriftführer), Hans Becker (Schatzmeister), Hans Krumscheid (Bereitschaftsleiter), Christel Schotte-Schweizer (Bereitschaftsleiterin) und Georg Kremer (Zeugwart). Letzterer war bis 1996 aktives Mitglied der DRK-Bereitschaft und wurde im Alter von 69 Jahren in allen Ehren aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Zuletzt war er als stellvertretender Vorsitzender im Vorstand tätig. Für sein soziales Engagement wurde ihm vom Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Der Amtsbaumeister Johann Clemens hatte den Vorsitz insgesamt 15 Jahre lang inne und der damalige Bereitschaftsleiter Hans Krumscheid blieb seinem Amt von 1945 bis 1967 stolze 22 Jahre lang treu. Clemens übertrug das Amt 1966 aus gesundheitlichen Gründen auf den Remagener Polizeihauptmeister Arthur Scherf und wurde später zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Einen kleinen Einblick in die Tätigkeit des Ortsvereines gibt eine Statistik aus dem Jahr 1958 – damals wurden die Krankentransporte noch von der Bereitschaft ausgeführt -, die Hilfeleistungen bei 333 Straßenunfällen, 96 Betriebsunfällen, 47 Hausunfällen, vier Bränden und acht Überschwemmungen verzeichnete. Dazu kamen Sanitätsdienste bei 19 Nürburgring-Einsätzen, 28 Fußballspielen, 28 Handballspielen und 28 (!) Volksfesten. Der DRK-Ortsverein kam damals auf die stolze Zahl von 69 aktiven Mitgliedern und hatte fünf Bereitschaftsärzte. Er betrieb drei Unfallhilfsstellen, die sich in Kripp, Unkelbach und Remagen befanden. 73 Hilfeleistungen wurden dort registriert. Aus der Zeit der 50er Jahre stammt auch ein Fahrtenbuch, welches sehr wahrscheinlich der damalige Bereitschaftsleiter und Krankenwagenfahrer Hans Krumscheid geführt hat. Es reicht bis zum 31. Januar 1954. Krumscheid hat den Krankenwagen in der Zeit von 1952 bis 1962 ehrenamtlich gefahren und sich seit 1949 stark für die Wiederbelebung der freiwilligen Sanitätskolonne nach dem Krieg eingesetzt.

Eine alte Tradition waren die Weihnachtszuwendungen
für die Armen der Stadt. (Foto: DRK-Remagen)“

Eine alte Tradition waren die Weihnachtszuwendungen für die Armen der Stadt: So wurden in den 60ern Pakete mit Weinbrand, Kosmetika und Lebensmitteln zusammengestellt Von der Stadt gab’s hierfür Jahr für Jahr einen Zuschuss in Höhe von 250,- Mark.

Im März 1968 schrieb die Rheinzeitung über die geplante Einführung von weiteren DRK-Bereitschaften in Oedingen und Kripp, in Unkelbach und Bodendorf, damals noch zu Remagen gehörend, gab es sie bereits. In Oberwinter war ein eigener Ortsverein aktiv, mit dem man eine gute Zusammenarbeit pflegte. Während dieser Zeit war auch das Jugendrotkreuz in der Römerstadt und seinen Stadtteilen sehr aktiv: Es wurden sogenannte „Jugendbereitschaften“ in Remagen, Kripp und Bodendorf gegründet, deren Mitglieder der DRK-Bereitschaft bei den Sanitätsdiensten zur Seite standen. 1967 wurde von 35 Mitgliedern berichtet, die unter der Leitung des Gruppenführers Jürgen Fallenstein standen.

In den 70ern, unter Dr. Florian Malatek als Bereitschaftsarzt, war der Ortsverein ebenfalls sehr aktiv und hatte zahlreiche Mitglieder. So wurde über einen Blutspendetermin berichtet, an dem sage und schreibe 39 DRK-Helfer teilnahmen – für die heutige Zeit eine geradezu utopische Zahl. Bis dahin wurden auch die Krankentransporte immer noch von der Remagener Bereitschaft durchgeführt. Am 29. Oktober 1971 gab es einen Beschluss des DRK-Kreisvorstandes, in dem die Einrichtung von zwei Rettungswachen beschlossen wurde. Als Standorte wurde das alte Gendarmeriegebäude in Sinzig und die Tankstelle Gies in Walporzheim angegeben. So wollte man eine Zentralisation des „Kranken-Unfall-Rettungsdienstes“ erreichen. An der Versammlung nahmen von den Remagener Rotkreuzlern der Vorsitzende Arthur Scherf und die damalige Bereitschaftsführerin Betty Görres teil. Eine wesentliche Verbesserung der Krankentransporte war aber auch mit diesem Schritt nicht in Sicht: So wurde des öfteren von Verletzten-Transporten ohne Beifahrer berichtet. Die Situation änderte sich Ende der 70er-Jahre, als der professionelle Rettungsdienst, wie man ihn heute kennt, eingerichtet wurde. Gute 20 Jahre nach der Errichtung der Rettungswache in Sinzig, an der der DRK-Ortsverein Remagen mit beteiligt war, kam im Jahr 1993 die Rettungswache an ihren heutigen Standort an der B9 nach Remagen zurück.

Zu den herausragenden Ereignissen der vergangenen 100 Jahre zählt auch die Fusion mit dem DRK-Ortsverein Oberwinter, welche am 9. November 1971 stattfand.

Die Begegnungsstätte

Die Begegnungsstätte des Roten Kreuzes in Remagen

Umfangreichen Schriftwechsel gab es in den 70er Jahren auch über eine geplante Altenbegegnungsstätte in Remagen. Sie wurde nach jahrelangen Verhandlungen am 9. Dezember 1974 in der Kirchstraße 4 eröffnet und einige Jahre betrieben.
Mit sehr viel persönlichem Einsatz leitete Betty Görres die Begegnungsstätte, die jeden Dienstag und Donnerstag von 14:00 bis 18:00 Uhr geöffnet war. Dort, im Hause des Apothekers Funck, hatte auch die Bereitschaft ihr Domizil, bis sie schließlich in das Gebäude der Alten Post umziehen musste.

Von den 80-ern bis zum 100. Geburtstag im Jahr 2005

Der erste Frühdefibrillator im Landkreis Ahrweiler wurde im November 2001 vom DRK-Ortsverein Remagen in Dienst gestellt. Natürlich zogen die anderen DRK-Ortsvereine im Kreisgebiet nach. Derzeit sind im Helfer vor Ort (HvO)-Projekt des DRK-Kreisverbandes Ahrweiler etwa 25 solcher Geräte im Einsatz. (Foto: DRK-Remagen)

Wegen Eigenbedarfs des Vermieters erfolgte 1980 der Umzug des DRK-Ortsvereins Remagen von der Kirchstraße in die Räumlichkeiten der alten Post in der Grabenstraße. Dieser Umzug war, wie sich Jahre später herausstellte, der Beginn einer langen Krise für die Remagener Rotkreuzler.

Aufgrund der ungeeigneten Räume in der alten Post musste die Altenbegegnungsstätte vom Roten Kreuz aufgegeben werden. Die Sozialarbeit im DRK-Ortsverein Remagen kam zum erliegen. Durch den Wegfall der Sozialarbeit konzentrierte sich die Arbeit des Ortsvereins nun auf die Jugendarbeit und den Einsatzdienst der Bereitschaft. Nach wie vor waren die Rotkreuzler bei öffentlichen Veranstaltungen in Remagen und bei den Großveranstaltungen am Nürburgring im Einsatz. Auch die Blutspendetermine wurden natürlich weiterhin durchgeführt.

Altersbedingt traten viele Mitarbeiter in den 80‘er Jahren aus dem aktiven Dienst aus. Nachwuchs für die gemeinnützige Arbeit des Roten Kreuzes in Remagen war nur schwer anzuwerben. Die Situation spitzte sich in den 90‘er Jahren immer weiter zu. Das sich immer weiter ändernde Freizeitverhalten der Menschen und der dadurch bedingte Rückgang der ehrenamtlichen Mitarbeiter machte auch vor den Remagener Rotkreuzlern nicht halt. Die unbefriedigende Unterbringung des Ortsvereins spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. In der Festzeitschrift zur 90-Jahr-Feier des DRK-Ortsvereins Remagen wurde dieses Thema aufgegriffen: „Unsere Arbeit stößt auf wenig Interesse“ ist dort zu lesen. Weiter erfährt man in dem Bericht, dass der DRK-Ortsverein Remagen seit mehreren Jahren ums Überleben kämpft. Leider brachte diese öffentliche Aussprache der bestehenden Probleme und Existenzsorgen keine spürbare Veränderung.

Erst eine völlige Neuausrichtung der Aufgabengebiete und der Möglichkeit zur Mitarbeit im DRK-Ortsverein Remagen Ende der 90‘er Jahre brachte zumindest personell einschneidende Veränderungen und eine Verbesserung der Situation. Auch heute noch sind die Jugendarbeit des Jugendrotkreuzes, der Einsatzdienst der Bereitschaft und die Organisation und Durchführung der Blutspendetermine die Hauptaufgaben des DRK-Ortsvereins in Remagen. Neu ist allerdings, dass sich die Mitarbeiter auf Aufgaben oder

Tätigkeitsgebiete konzentrieren können. Früher mussten die DRK-Helfer alle anfallenden Aufgaben erledigen. Heute entscheiden sich die Mitarbeiter für ein oder mehrere Tätigkeitsgebiete und leisten dort ihren ehrenamtlichen Dienst. Getreu dem Motto „Tue gutes und berichte darüber!“ wurde die Öffentlichkeitsarbeit in den letzten Jahren ein immer größeres Tätigkeitsgebiet der Remagener Rotkreuzler.

Auch konnte im Jahr 2003 nach über zwanzigjähriger Ruhezeit die Sozialarbeit wieder als Tätigkeitsgebiet im Ortsverein Remagen aufgenommen werden. Hier bieten die Rotkreuzler nun einen Besuchsdienst für alleinstehende und hilfebedürftige Senioren an. Darüber hinaus haben straffällig gewordene Jugendliche die Möglichkeit, ihre vom Gericht auferlegten Sozialstunden bei den Remagener Rotkreuzlern abzuleisten. Nach vielen Jahren ohne feste Aufgabenzuweisung im Hilfeleistungssystem des DRK-Kreisverbandes Ahrweiler wurde den Remagenern im März 2004 von der Kreisbereitschaftsleitung der Gerätewagen Sanitätsdienst der Schnellen-Einsatzgruppe (SEG) zugewiesen. Die Remagener besetzen im Einsatzfall das Fahrzeug, um bei

Großeinsätzen Material an die Einsatzstelle zu liefern. Gleichzeitig stellen die Remagener für größere oder länger dauernde Einsätze Helfer als personelle Reserve für die Fachbereiche Sanitäts- und Betreuungsdienst.

Nach wie vor unbefriedigend ist allerdings die Unterbringung des Ortsvereins. Auch der Umzug von der alten Post in die Hausmeisterwohnung der Grundschule St. Martin im Jahr 2001 brachte keine deutlichen Verbesserungen. Zwar konnte man durch den Umzug das Einsatzmaterial an einem Standort unterbringen, die Räume für Schulungen und Büroarbeit sind aber zu klein und nach wie vor unbefriedigend.

Auch auf Bundesebene waren die 90‘er Jahre für die Geschichte des DRK‘s nicht unbedeutend: Am 9. November 1990 wurde der Vertrag über die Herstellung der Einheit des DRK unterschrieben. Das DRK der DDR löste sich auf. Aus dem DRK der DDR wurden sechs Landesverbände neu gebildet. Diese erklärten ihren Beitritt zum Deutschen Roten Kreuz zum 1. Januar 1991. Darüber hinaus wurde der Beschluss gefasst, den Sitz des DRK-Generalsekretariats nach Berlin zu verlegen.